Kopien im Centre Pompidou Metz

Im Museum Pompidou, Metz nehme ich den Text der mir unbekannten aber sonst berühmten Dichterin Ryōko Sekiguchi „Bestätigte Abwesenheit“ mit. Irgendwie zog es unter dutzenden mir gefallenden Kunstwerken die Aufmerksamkeit auf sich.
Es ging um Vieles: Wert und Selbstwert von Werken, anlässlich von Diebstählen und Wanderungen durch allerlei Hände und Seelen. Oder: Wie entsteht die künstlerische Kopie eines Originals?
Der Text führt durch vielfältige Räume der Anschauung. Räume mit Namen von herrschenden Schurken, Medici und Borghese, von bekannten Personen wie Erasmus und solchen nur der theologisch-esoterischen Denke bekannten wie Gregor von Nazianz und Martin Lipsius. Und siehe da auch Ich und Ich-noch-einmal erscheinen. Was für ein Baldachin von Barock und Polyglott. Aber auch die Krokuswiese eines Jean Paul.
Schön. Es erzeugt andere Gedanken als der öffentliche Bildungsbus. Zum Beispiel das hier:
„Es sind die Augen des Künstlers, der das Original betrachtet, welche die Maße nach dem Abbild formen, das sich in die Netzhaut eingeschrieben hat. Dieses Abbild überträgt der Künstler auf den Marmor, den er bearbeitet. Die Figur des Zentauren ist durch den Körper von Jacques Bousseau hindurchgegangen durch seine Augen seine Arme und seine Hände, um wieder die Form anzunehmen, die sie hatte, bevor sie an einen unsicheren Ort gebracht wurde.“
Es bringt neue Anschauungen auf: War denn das Original nicht auch Kopie? Kopie einer aus der Wirklichkeit in die Betrachtung gesunkenen Welt dort Außen und hier Innen? Ein der Natur entnommener Blumenstrauß von Phantasie? Zur Freude bestimmt und zum Welken.
Ich liebe das Japanische, wo es mir fremd ist und doch gleich in der Person. Mir fehlt es an Kindheit. Hier aber gefiel mir das Umherschweifen in der Geschichte.
Ich spüre verwandtes, besonntes Fühlen nicht nur Stempel oder Durchdringung des Körpers im Werk. Das denkende Original und die denkende Kopie sind ja nicht mehr als Gedanke. Es bleiben Original und Kopie. Die Frage ist: was ist die Bedeutung der Werke. Was sie sagten? Wer außer den Hoflieferanten von Mittelalter bis Barock weiß es? Vergessen, wie einst wir.

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